Bekämpfung
Im Jahr 1935 wurde in Deutschland auf Anregung der Biologischen Reichsanstalt durch den Reichsnährstand der Kartoffelkäfer-Abwehrdienst (KAD) gegründet, der unter anderem eine Kartoffelkäfer-Fibel an die Schulkinder verteilte. Mit dem Slogan „Sei ein Kämpfer, sei kein Schläfer, acht’ auf den Kartoffelkäfer!“ war jeder zur Kartoffelkäferbekämpfung aufgerufen. Die Schulkinder bekamen sogar manchmal schulfrei, um die Käfer einzusammeln. Aus Arbeitslosen oder Schulkindern, vor Kriegsbeginn auch aus Soldaten, wurden in den Dörfern Suchkolonnen gebildet, um Felder nach Kartoffelkäfern abzusuchen. Es gab Fangprämien und Ehrennadeln. Bei stark befallenen Feldern wurde das Kartoffelkraut gerodet und vernichtet, der Boden mit Schwefelkohlenstoff entseucht, die Kartoffelfelder im Umkreis mit Bleiarsen, später mit Kalkarsen besprüht.
1936 wurde in Moutier d’Ahun (Département Creuse) eine französisch-deutsche Arbeitsgemeinschaft zur Kartoffelkäferbekämpfung gegründet, 1940 in Kruft (Eifel) eine Kartoffelkäfer-Forschungsstation eingerichtet (später das Institut für biologische Schädlingsbekämpfung der Biologischen Bundesanstalt).
In Europa hat der Kartoffelkäfer keine natürlichen Fressfeinde. Er wurde daher mit Chemikalien (zunächst Arsenik, später Insektizide aus der Gruppe der chlorierten Kohlenwasserstoffe (HCH und DDT) oder der Gruppe der synthetischen Pyrethroide) bekämpft. Wegen der Gefahr der Entwicklung von Pestizidresistenz ist unter Beachtung der Anwendungsbedingungen eine integrierte Bekämpfungsstrategie mit wechselnden Wirkstoffen erforderlich. Wirksam ist auch eine Infektion der Käfer mit bestimmten Bakterienstämmen, wie dem Bakterium Bacillus thuringiensis tenebrionis.
1995 wurde ein Sammelgerät entwickelt (genannt Bio-Collector). Das pneumatisch-mechanische Gerät bläst die Kartoffelkäfer zunächst von den Pflanzen und saugt sie dann ein. Insektizide sollen damit überflüssig gemacht werden. Die Produktion des Geräts wurde jedoch wieder eingestellt.
2018 wurde ein Prototyp einer neuen Sammelmaschine entwickelt, diese wird auch aktuell noch in verschiedenen Varianten vertrieben (Beetle Collector).
Im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang wurde die Wirkung von Endosulfan und Fipronil untersucht. Es wurden bereits mehrere gentechnisch veränderte Kartoffelsorten getestet, die gegen den Kartoffelkäfer resistent sind. Ihnen wird insbesondere in Osteuropa und Russland Potenzial vorhergesagt.
Ein neueres Insektizid zur Bekämpfung des Kartoffelkäfers, das auch im ökologischen Landbau zugelassen ist, ist Spinosad.
Seit Januar 2024 steht den Landwirten in den USA eine neue Waffe gegen den Schädling zur Verfügung, die anders als herkömmliche Pestizide wirkt. Das von der Firma GreenLight Biosciences unter dem Namen Calantha vermarktete Pestizid Lepondra wurde nach einer vierjährigen Prüfung von der Environmental Protection Agency (EPA) zugelassen. Es basiert auf einem Mechanismus namens RNA-Interferenz (RNAi) und zielt auf ein lebenswichtiges Gen, die katalytisch aktive Proteasom Untereinheit β5 des Kartoffelkäfers, ab. Die doppelsträngige RNA (dsRNA) hemmt die Beseitigung von geschädigten Proteinen, was zur Anhäufung von Poly-ubiquitinierten Proteinen in Kartoffelkäferzellen führt. Das Zielgen ist einzigartig für den Schädling und seine nahen Verwandten, was Schäden an Bestäubern und anderen Arten verhindern soll. Bereits 2017 konnte gezeigt werden, dass dsRNA in Käfern via Nahrungsaufnahme wirksam werden kann.
Käfer und Larven einzusammeln und zu töten ist eine wirksame, auch heute in kleinem Maßstab anwendbare Methode der Bekämpfung.