
Merkmale und Lebensweise
Adulte Bandfüßer besitzen keine Augen, ihr Körper besteht inklusive Telson aus 19–21, meist 20, Körperringen und die Männchen tragen als Umwandlung des 1. Beinpaares des 7. Körperringes 1 Paar Gonopoden, die frei herausragen. Vor den Gonopoden befinden sich also 7 Beinpaare. Juvenile Tiere haben nur 7–19 Körperringe, wobei die frisch geschlüpften Tiere 7 Körperringe und 3 Beinpaare besitzen. Die meisten Arten haben 58 oder 62 Beine. Die Körperlänge der Arten liegt zwischen 3 und 130 mm. Wie die Schnurfüßer weisen sie ringsum stabil verwachsene, zylindrische Körperringe auf. Viele Arten besitzen Seitenflügel (Paranota) oder Seitenkiele – dadurch wirken sie entweder abgeflacht wie ein Band, was den Trivialnamen der Ordnung erklärt, oder ihr Körper wirkt perlschnurartig. Die Paranota werden vom hinteren Teil der Doppelsegmente, den Metazoniten gebildet, ab dem ersten Segment hinter dem Collum (Halsschild). Nicht nur diese Eigenschaft, sondern ihre gesamte Körpergestalt ist eine Anpassung an die Lebensform des Keil-Typs: Durch den breiten, flachen Rücken, die nach vorn immer schmaler werdenden Seitenflügel, den kleinen Kopf und den Besitz auffallend starker und vergleichsweise weniger Beine sind die Bandfüßer daran angepasst, sich wie ein Keil zwischen die Blattstapel der Laubstreu oder in Ritzen von Totholz zu schieben. Eine weitere Anpassung an die Fortbewegung zwischen feuchten Blättern stellen die Strukturierungen und Tuberkel der Rückenschilde dar. Solche aufgerauten Oberflächen können als Einrichtungen zur Kontaktflächenminimierung gedeutet werden, wie sie bei Bodenarthropoden häufig auftreten. Wären die durch die Seitenflügel vergrößerten Rückenflächen glatt, würden nasse Blattflächen durch Adhäsion anhaften und die Beweglichkeit der Tiere einschränken. Bandfüßer sind somit typische Bewohner der Streuschicht. Nur wenige, sehr kleine Arten leben auch euedaphisch im Bodeninneren. Eine Unterscheidung ähnlich aussehender Bandfüßer-Arten ist am genauesten über die männlichen Gonopoden oder weiblichen Ventralspangen möglich. Im Feld sind vor allem letztere aber nur schwer erkennbar, während die frei herausragenden Gonopoden mit einer guten Lupe untersucht werden können. Viele Arten der Bandfüßer besitzen auffällige Farben, die der Feindabwehr dienen können. Dies ist nicht unbegründet, da einige Arten Blausäure, Ameisensäure oder andere Wehrsekrete aus Wehrdrüsen absondern oder sogar versprühen können. Durch die Seitenflügel gibt es auch eine Vielzahl interessanter Körperformen bei dieser Ordnung. Die europäischen Arten sind dagegen meist einheitlich weißlich bis braun oder rötlichbraun gefärbt und weniger auffällig. Die mitteleuropäischen Arten erreichen Körperlängen von 3 bis 24 mm. Häufig findet man die Tiere in der Laubstreu, unter Steinen, Rinde und Totholz. Es gibt jedoch auch höhlenbewohnende Arten. Manche Bandfüßer, wie Brachydesmus superus sind echte Überlebenskünstler, die noch bei 1 °C aktiv sein oder wochenlang unter Wasser überleben können. Viele Arten ernähren sich von totem Pflanzenmaterial wie abgestorbenen Blättern, Detritus, aber in einigen Fällen auch von lebenden Pflanzenteilen, wie Sprösslingen oder angebautem Gemüse. Daneben werden auch morsches Holz und Pilze gefressen.



